Sandoz – eine 100 %ige Tochter der Schweizer Novartis – produziert und vermarktet weltweit generische Arzneimittel, pharmazeutische und biotechnologische Wirkstoffe.

Am größten Fermentationszentrum der Novartis-Gruppe in Kundl, Tirol, werden neben biotechnologischen Produktionen auch chemische Synthesen von pharmazeutischen Wirkstoffen im großen Maßstab durchgeführt. Seit mehreren Jahren setzt man dabei auf die Vorteile von Mehrfunktionsanlagen. 2005 wurde die Produktion in der vierten MPP-Anlage (Multi Purpose Plant) nach dem neuesten Stand der Technik aufgenommen. VTU arbeitete wie in zwei bisherigen Anlagen als führender Planungspartner zur vollen Zufriedenheit von Sandoz mit.


Die neue Mehrfunktions-Synthese-Anlage mit einem Reaktorgesamtvolumen von 70 m³ beinhaltet im wesentlichen folgende Anlagenbereiche:

  • Tanklager (Lager- und Puffertanks)
  • Synthese mit 10 Reaktoren bis 13 m³ in verschiedenen Werkstoffqualitäten und integriertem Spezialequipment z.B. zur Aufreinigung des Produkts
  • Produktisolierung mit Fest/Flüssig-Trennung, Trockner, Feststoffabfüllungen etc.
  • Lösemittelaufbereitung mit Destillationskolonnen, Dünnschichtverdampfer etc.

 

VTU war für die Bereiche Engineering und Qualifizierung verantwortlich und begleitete das Projekt, das in Rekordzeit realisiert wurde, von der Konzeptentwicklung über die verfahrenstechnische Planung bis hin zur Inbetriebnahmeunterstützung. Zusätzlich wurden die gesamte Anlagenqualifizierung sowie die Computervalidierung abgewickelt. Die Anlage ist in Hauptapparate-Gruppen, sogenannte Units, unterteilt. Diese sind wiederum aus definierten, immer wiederkehrenden Modulen (z.B. Modul Kondensator, Heiz-Kühl-Modul) aufgebaut. Die zentrale Einheit, das Pult, verbindet die einzelnen Units über flexible Anschlüsse. Durch einfaches Umstecken dieser Verbindungen ist jede Kombination der Units realisierbar. Dieses Modul-Konzept hat sehr große Vorteile über den gesamten Lebenszyklus der Anlage. Planung, PLS-Programmierung, Einkauf und Errichtung erfolgen schneller und mit geringerer Fehlerwahrscheinlichkeit. Während des Betriebes und in der Instandhaltung finden sich Mitarbeiter leichter zurecht und können schneller eingeschult werden. VTU hat diese Modul-Bauweise über eine Reihe von Multifunktionsanlagen entwickelt und optimiert. Die gesamte Anlage läuft vollautomatisch, wobei die Rezeptabläufe über ein zentrales Prozessleitsystem (PLS) gesteuert werden.

 

VTU lieferte die Grundlagen der Prozesslogiken, bei deren Erstellung besonders auf die Einfachheit und Reproduzierbarkeit geachtet wurde. Bei einem Rezeptablauf werden die für den Prozess notwendigen Units gebucht, der Ablauf durchgeführt und anschließend wieder entbucht. Durch die Möglichkeit, gleichzeitig mehrere Rezeptabläufe bedienen zu können, ergibt sich eine erhebliche Zeitersparnis in der Produktion. Dadurch, dass alle Anlagenteile CIP-bar ausgeführt sind, kann die Anlage auch innerhalb sehr kurzer Zeit mit geringen Umbauten Unit-weise über CIP-Rezepte gereinigt werden. VTU praktizierte auch in diesem Planungs-Projekt das Unit-Owner-Prinzip, das heißt jeder Verfahrenstechniker war von der Entwicklung der R&I-Schemata bis zur Inbetriebnahme für „seine“ Unit verantwortlich. Im Gegensatz zum Spezialistentum, wo einzelne Personen für Apparatetypen verantwortlich sind (Pumpen,...) ergibt sich dadurch ein wesentlich vernetzteres Denken und damit ein besserer Prozess. Als Zusatzeffekt ist auch dem Kunden und allen Lieferanten immer klar, welche Ansprechperson für welche Anlagenbereiche zur Verfügung steht.